Australien -Teil 1_

Hallo ihr Lieben!

Wie angekündigt, gehts heute mit der ersten Kurzgeschichte los. Ich freue mich über jede Art von Feedback, denn nur mit eurer Meinung kann ich an mir selbst arbeiten und besser werden. Außerdem freue ich mich natürlich auch, wenn ihr meinen Blog euren Freunden von meinem Blog erzählt. Somit wünsche ich euch viel Spaß mit 'Australien -Teil 1-' und hoffe das ihr euch nächste Woche wieder auf meine Seite verirrt.

Mit ganz viel Liebe,

Lina

 

 "Hast du das gesehen?"
"Hab ich was gesehen?"
"Da war eine Sternschnuppe. Ich darf mir was wünschen!"
Chris musste lächeln, Kira bezog es auf sich, dachte er würde lächeln weil er so glücklich war hier mit ihr Händchen haltend durch laternenbeleuchtete Straßen zu ziehen und sich ihre belanglosen Erzählungen von sich selbst und ihren Arbeitskollegen anzuhören. 'So ein Quatsch', dachte Chris. Er lächelte über ihre Naivität, zu glauben, Sternschnuppen würden Wünsche erfüllen. Wünsche müssen sich die Menschen selber erfüllen, da helfen keine Sternschnuppen, keine ausgefallenen Wimpern, keine Kerzen auf dem Geburtstagskuchen.
Ihre Hand war kalt. Es war Mitte November, schon ziemlich kalt draußen, aber sie liefen den Weg zu ihrer Wohnung. Kira hatte es vorgeschlagen, und Chris spielte dieser Vorschlag in die Karten, denn dann hatte er ein wenig mehr Zeit, sie um den Finger zu wickeln, bis zu dem Moment wo sie vor ihrem Haus standen und sie ihm entweder ihre Nummer gab, mit dem Hinweis, sie anzurufen, oder ihn fragte, ob er noch mit hoch kommen wolle. Er würde sie nicht anrufen, falls sie ihm die Handynummer gab. Er rief nie an. Frauen, die einem die Nummer geben anstatt einen hoch zu bitten, die erwarteten, das man das ganze Programm für sie abzog. Teures Restaurant, Blumen, Smoking und den ganzen Scheiß. Nein, so ein Kerl war er nicht. Einer, der sich für immer an eine einzige Frau band. An Sophie, an die hätte er sich gebunden. Für immer, und auch noch länger, wenn sie gewollt hätte. Aber Sophie wollte nicht.
Kira blieb stehen und begann in ihrer Handtasche zu wühlen. Chris wusste was das hieß. Sie waren nur noch ein paar Schritte von ihrer Haustür entfernt. Als sie den Schlüssel gefunden hatte, maschierte sie auf einen Hauseingang zu, schloss auf, öffnete die Tür ein Stück, stellte ihren Fuß in die Tür, drehte sich zu Chris um.
"Willst du noch mit hochkommen?"
'Jackpot.', dachte Chris, nickte, und folgte ihr durch die Haustür.

In den frühen Morgenstunden verließ Chris das Haus, ohne sich von Kira zu verabschieden, ohne irgendwas zu hinterlassen, was ihr verraten hätte, wo er zu finden war. Duschen konnte er auch zu Hause. Und so machte er es jedes Wochenende. Samstag in der Disco eine aufreissen, mit zu ihr gehen (Bloß nicht zu ihm!), Sonntag in aller Frühe wieder abhauen ohne das die Kleine was merkte. Manchmal traf er eins dieser Mädels irgendwo zufällig wieder. Dann fing er sich eine Ohrfeige, aber Chris machte sich nichts draus. Wenn die so blöd waren, zu denken, sie wären seine große Liebe? Seine große Liebe hockte jetzt grade in Australien und beobachtete die Tierwelt. Und Chris verschwendete seine Zeit mit Frauen die ihm nichts bedeuteten, über die er kurz rüberrutschte, einschlief, am nächsten Morgen ein Foto von ihnen schoss, wie sie so schlafend da lagen, bevor er sich davon schlich. Die Fotos landeten später in einem Schuhkarton in seinem Nachtschränkchen. Und manchmal, wenn er sich besonders wertlos und einsam fühlte, weil Sophie einfach so gegangen war, dann holte er die Kiste aus der Versenkung und sah sich die ganzen Fotos von den Frauen an. Die hätte er wohl kaum aufreissen können, wenn er wertlos wäre.
Auf dem Weg nach Hause holte er sich einen Kaffee. Weiterschlafen saß nicht drin, dafür heute Abend früh schlafen. Morgen war wieder Büro angesagt, und bis dahin musste er wieder der makellose Typ sein, der nach außen hin so perfekte, fehlerlose Christopher Kloth.
Aber dann war ein Brief im Briefkasten. Wie war der da überhaupt rein gekommen? Sonntags kam keine Post? Vorallem nicht um 6.30 Uhr? Kein Absender, keine Briefmarke, nur in großen, geschwungenen Großbuchstaben fünf Buchstaben: 'CHRIS' stand da. Er erkannte diese Schrift sofort wieder und ihm wurde beinahe ein bischen schwindelig. Wenn Sophie diesen Brief geschrieben hatte, musste sie ihn auch in seinen Briefkasten geschmissen haben. Und das bedeutete das Sophie wieder in Deutschland war.
Mit zittrigen Händen versuchte Chris, den Schlüssel in die Haustür zu bekommen, es dauerte Ewigkeiten. Er musste seine Arme zwingen, die Tür auf zu drücken, seine Beine zwingen, die Treppe hoch zu steigen. Vor seiner Wohnungstür, dasselbe Spiel wie schon mit seiner Haustür, nur waren die Protagonisten jetzt andere. Als er die Hürde endlich genommen hatte, schlug er die Tür zu, ließ sich an ihr herunter sinken. Wozu die Mühe ins Wohnzimmer zu gehen, wenn er doch auch gleich hier zusammenbrechen konnte?
Er starrte den Brief in seinen Händen an, drehte ihn hin und her, überlegte ob er ihn lesen oder einfach ungeöffnet entsorgen sollte? Im Endeffekt siegte die Neugier und er riss den Umschlag eilig auf, riss das Papier heraus, und wurde wieder ruhig.


Chris,
Es tut mir leid was passiert ist, wirklich ehrlich. Ich kann dich leider auf dem Handy nicht erreichen, scheinbar hast du nun eine andere Nummer. Jedenfalls bin ich früher zurück gekommen und würde dich gerne sehen. Wenn du nicht reagierst kann ich das auch verstehen, aber bitte, mir zur Liebe, melde dich.
In Liebe,
Sophie


'Mir zur Liebe'?? Das war jawohl lächerlich! Sie hatte damals vollkommen egoistisch beschlossen, das sie nach Australien gehen musste und erst in 2-3 Jahren zurück kommen würde! Sie hatte doch auch nicht darüber nachgedacht, was sie ihm damit antat. Blödes Miststück.
Chris stand auf und maschierte in die Küche, wo er den Brief in den Müll knallte. Auf dem Weg zurück fand er ein Foto auf dem Boden liegend. Dieses Bild war uralt. Vor 4 Jahren im Urlaub auf Wangerooge aufgenommen. Sophie und Er eng aneinander gedrängt, mit vom Wind gepeitschten Haaren, Mützen auf dem Kopf und roten Wangen, glücklich in die Kamera lächelnd. Stimmt. Glücklich waren sie gewesen. Vor Matze, der sich dazwischen drängelte, vor Australien, da waren sie glücklich gewesen. So glücklich wie damals, als dieses Bild aufgenommen wurde, war Chris seitdem nie mehr gewesen. So saß er da, auf dem Boden, das Foto in den Händen, lautlos weinend. Er saß lange so da, wie lange genau wusste er nicht, aber auf jeden Fall lange. Irgendwann schlief er, entkräftet vom weinen, ein, und wachte erst auf als es draußen schon dämmerte.
Der Anrufbeantworter blinkte. Eine Nachricht von Jonas.
"Moin Chris! Wollte nur wissen wies dir gestern noch ergangen ist, warst so schnell weg. Diese Kira war aber auch ne heiße Nummer. Naja, ruf mich zurück, wenn du deinen Rausch ausgeschlafen hast.".
'Leck mich', denkt Chris sich, löschte die Nachricht und schleppte sich ins Bad. Er ging duschen und rasierte sich, bevor er in die Küche ging. "Scheißdreck...", murmelte er, wärend er in den Schränken nach etwas essbarem suchte und nichts fand. 'Dann halt Fast-Food...', dachte er und schnappte sich den Flyer vom Lieferservice, der immer mittels Magnet am Kühlschrank befestigt war. Eine halbe Stunde später war die Pizza da, er setzte sich aufs Sofa, sah einen Film und aß. Er verstand den Film nicht, er achtete allerdings auch nicht so wirklich darauf, denn Sophie spukte immernoch in seinem Kopf rum. Er dachte über die ganzen Jahre, die sie zusammen verbracht hatten, nach, sah die ganzen Jahre nochmal im Schnelldurchlauf. Er wusste nicht was er tun sollte. Diesen Brief einfach ignorieren, oder sie anrufen? Er hatte ihre Nummer noch immer im Handy gespeichert, an diesem Abend war er mehrmals kurz davor sie anzurufen, ließ es im Endeffekt aber bleiben, weil er einfach immernoch zu unsicher war, was er tun sollte.
Zwei Tage später war er sich sicher, das er sie anrufen würde, er musste nurnoch den Mut dazu aufbringen. Er musste sich ja immerhin anhören, was sie zu sagen hatte. So saß er am Abend auf der Couch und drehte sein Handy in der Hand, drückte auf diesen und jenen Knopf, legte das Handy zurück auf den Tisch, nahm es wieder in die Hand, legte es wieder zurück, kratze sich am Kopf, nahm es wieder in die Hand. Nachdem er 1 1/2 Stunden so gesessen hatte, hatte er plötzlich irgendwie den Knopf erwischt durch den sein Handy die Verbindung aufbaute, und in Panik hielt er sich das Telefon ans Ohr. Das Freizeichen ertönte, und bei jedem monotonen 'Tuuuuuut' bekam Chris aufs neue Schweißausbrüche. "Rottmeyer?", tönte es plötzlich aus dem Handy.
"Äh... Ähm... Sophie?"
"Chris! Ich freu mich das du dich meldest! Ich hab schon gewartet, das du anrufst!"
(Sie hat gewartet das ich anrufe? Was glaubt sie denn, das ich hier sitze und sehnsüchtig nur auf die Gelegenheit warte, sie anzurufen, oder was? Pah!) "Du wolltest mich sprechen. Nur deswegen hab ich angerufen."
"Äh.. Ja... Aber... Hör mal, das kann man so schlecht am Telefon besprechen... Wollen wir uns nicht morgen während der Mittagspause auf nen Kaffee treffen? Im üblichen Café? Ich warte da dann morgen auf dich."
(Das übliche Café... Das ist schon lange nicht mehr unser Café, du hohle Nuss..)"Ja, okay. Dann bis morgen."
Chris beendete das Telefonat schneller, als Sophie antworten konnte, fuhr sich mit der Hand durch die Haare, schmiss das Handy auf den Tisch und starrte an die Decke. 'Na das kann ja was werden...', dachte er, bevor er unter die Dusche stieg.
Am nächsten Morgen war Chris schon in heller Aufregung, obwohl bis zu dem Treffen mit Sophie noch 6 Stunden zu vergehen hatten. Auf der Arbeit angekommen, zog sich die Zeit bis zum Mittag wie Kaugummi. Er hatte, ausnahmsweise, den Schuhkarton mit den Fotos mit zur Arbeit genommen um sich vor dem Treffen nochmal Mut machen zu können. Nun saß er auf der Mitarbeitertoilette und sah sich jedes Foto einzeln einen Moment lang an. 'Alle diese Frauen schlagen sich darum, mit mir ins Bett zu dürfen. Sie warten sehnsüchtig darauf, das ich sie anrufe. Und mit Sophie wird es nicht anders sein.', dachte er, als er den Karton wieder in sein Fach einschloss, seine Jacke überwarf und zu dem Café ging. Kurz bevor er da war steckte er sich noch eine Zigarette an, die er in kürzester Zeit aufgeraucht hatte.
Sophie saß bereits an einem Tisch, als Chris das Café betrat. Er bemühte sich, möglichst unberührt zu wirken, wärend er auf sie zu ging, auch wenn er schon wieder Schweißausbrüche hatte. Er zog den Stuhl ein Stück zurück, warf seine Jacke über die Lehne und setzte sich. Dann schaute er Sophie unverwandt an.
"Also, was willst du?"
"Chris, es tut mir leid.". Sophie versuchte seine Hände in ihre zu nehmen während sie da sagte, Chris zog sie instinktiv zurück.
"Was genau tut dir leid?", antwortete er. Seine Stimme klang dabei kälter, als er selbst für möglich gehalten hätte.
"Das mit Matze, und das ich einfach so nach Australien gefahren bin, ohne dich nach deiner Meinung zu fragen. Und vorallem das mit Matze.", Sophie hörte sich an, als würde sie gleich anfangen zu weinen. 'Jetzt bloß nicht einknicken!', ermahnte sich Chris, bevor er sprach:
"Matze? Das tut dir ernsthaft leid? Das ist alles was du dazu zu sagen hast? Matze war mein bester Freund, du warst die Liebe meines Lebens, ihr habt es für nötig gehalten, miteinander in die Kiste zu springen und es mir wochenlang zu verheimlichen, bis du nach Australien und Matze nach Hamburg abgehauen seid und ihr euch meine Reaktion nicht mehr ansehen musstet. Ihr wart nicht nur absolut egoistisch, sondern auch feige. Aber das mit Matze hätte ich dir verziehen. Ich wäre irgendwie darüber hinweg gekommen. Aber darüber, das du einfach nach Australien abhaust, mir ne lächerliche Notiz auf dem Tisch hinterlässt und Tschüss, darüber komm ich nicht hinweg.".
"Aber.. Chris, deswegen bin ich doch zurück gekommen! Es tut mir leid und du fehlst mir, hast mir die ganze Zeit gefehlt! Bitte hör mich doch wenigstens zu!", bettelte Sophie, jetzt weinte sie tatsächlich.
"Das hier war nur verschwendete Zeit. Du hast nichts begriffen.". Chris spuckte die Worte mehr aus als das er sie sprach und verließ fluchtartig das Kaffee.
Zu Hause angekommen meldete er sich für den Rest des Tages krank, rauchte eine Zigarette nach der anderen und blätterte durch die alten Fotoalben, sah sich nochmal ihre Beziehung im Zeitraffer an. Was war eigentlich schief gelaufen, das sie hier her gelangt waren? Sie wollten heiraten, er wollte ein Haus kaufen, Kinder wollten sie haben. Wie konnte der Kurs so umschlagen?
Chris rief Jonas an. Er vertraute Jonas. Und mit irgendwem musste er darüber reden. Jonas kam, Chris holte Bier vom Kiosk um die Ecke und sie saßen auf dem Sofa und redeten.
"Sophie ist zurück."
"Oh. Und, hast du sie schon gesehen? Seid ihr jetzt wieder zusammen?"
"Hast du vergessen was sie gemacht hat, oder warum fragst du, ob wir wieder zusammen sind?"
"Nein, ich habs nicht vergessen. Aber du redest seit ich dich kenne von nichts anderem als Sophie. Jetzt ist sie wieder da und du willst mir erzählen das dich das vollkommen kalt lässt?"
"Nein, es lässt mich nicht vollkommen kalt. Genau das ist ja das Problem. Ich bin ein Wrack, und ich weiß nicht wie ich da wieder raus kommen soll. Ich hab mich heute mit ihr getroffen weil sie mit mir reden wollte. Und sie entschuldigt sich bei mir für das mit Matze. Als wäre die Sache mit Australien vollkommen nebensächlich. Das mit Matze hätte ich verkraftet. Sie sind im Suff in der Kiste gelandet, das kann passieren. Viel schlimmer find ich das sies mir verheimlicht hat und sich dann klammheimlich nach Australien verpisst hat."
"Vielleicht konnte sie einfach nicht ertragen, das sie dir weh getan hat, und hat sich deswegen den einfachen Weg ausgesucht?"
"Ja siehst du und genau da ist das Problem! Sie hat sich absolut egoistisch verhalten."
"Ja aber du tust doch seit dem sie weg ist nichts anderes?"
"Was soll das denn jetzt heißen? Warum bin ich denn jetzt hier das Arschloch?"
"Du streifst jedes Wochenende durch Discos und Bars und schleppst da dann Mädels ab, mit denen du schläfst um dich dann am nächsten Morgen ohne einen Mucks wieder aus dem Staub zu machen. Ist das nicht egoistisch? Glaubst du das tut diesen Frauen nicht weh?"
"Du klingst als wärst du selbst eine. Außerdem ist das was vollkommen anderes."
"Dann bin ich halt eine. Und das ist nichts anderes. Du tust Leuten zu deinem eigenen Vorteil weh. Genau das hat Sophie mit dir gemacht. Sie veurteilst du dafür, aber das was du machst, findest du vollkommen okay?"
Das saß, und Chris schwieg. So saßen sie eine ganze Weile, Bier trinkend und schweigend. Irgendwann brach Chris das Schweigen:
"Und was soll ich jetzt machen?"
"Triff dich nochmal mit ihr. Ein vernünftiges Gespräch bringt vielleicht Licht ins Dunkel."

 

3.1.16 19:43

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